4. Orchesterkonzert

Freitag, 29. März 2019, 19.30 Uhr

Dogma Kammerorchester (Foto: Gelucka-Berthold Records)

 

KÜNSTLER

 

Dogma Kammerorchester

Matthias Kirschnereit Klavier

 

PROGRAMM

 

Samuel Barber – Serenade für Streicher op. 1

Wolfgang Amadeus Mozart – Klavierkonzert C-Dur KV 415

Felix Mendelssohn Bartholdy – Sinfonie für Streicher Nr. 12 g-Moll

Ludwig van Beethoven – Streichquartett „Quartetto serioso“ f-Moll op. 95

Änderungen vorbehalten.

Dogma Kammerorchester

 

Das dogma chamber orchestra wurde 2004 von Mikhail Gurewitsch gegründet, seinerzeit Konzertmeister des baden-württembergischen Kammerorchesters »I Sedici«. Unter seiner Leitung kommen junge, aber bereits international erfahrene Musiker zusammen, um zeitgerechte Interpretationen klassischer Musik mit moderner Konzertgestaltung zu verbinden. Dabei geht es nicht etwa um eine Art der Vermittlung, die heutzutage oft zu einem verfälschten Bild der klassischen Musik führt: anbiedernde und glattpolierte Ästhetik ist ebenso wenig Sache der Künstler wie die Präsentation von hübschen Kleidchen und adretten Anzügen. dogma ist vielmehr auf der intensiven Suche nach inhaltlich neuen Wegen, wie es sie in allen Perioden der Musikgeschichte gegeben hat. Den geistigen wie auch emotionalen Gehalt der Musik aus dem Blickwinkel unserer Zeit freizulegen und dem Publikum diese Arbeit als einen spannenden Prozess zu vermitteln, das ist ein besonderes Anliegen von dogma.


Anhand dieser Geisteshaltung erklärt sich der Name des Orchesters. Er leitet sich ab vom Manifest »Dogma 95«, das eine Gruppe internationaler Filmregisseure um Lars von Trier 1995 veröffentlichte. Ihr Manifest richtete sich gegen die zunehmende Wirklichkeitsentfremdung des Kinos, gegen Effekte und technische Raffinessen, sowie gegen seine dramaturgische Vorhersehbarkeit. Das Orchester versteht sich nicht nur als eine homogene Gruppe von Musikern, die gleiche künstlerische Ansichten teilen, sondern auch als ein Ensemble von Solisten, die sich aufeinander zu bewegen. Jedes Mitglied ist aufgefordert, seine eigene Persönlichkeit einzubringen. Das Spannungsverhältnis von solistischem Impuls und Ensemble-Geist wird voll ausgeschöpft und wirkt sich künstlerisch fruchtbar auf die Arbeit des Orchesters aus. Diese Dynamik wird durch das Musizieren im Stehen zusätzlich verstärkt.


Bei der Programmgestaltung legt das dogma chamber orchestra großen Wert auf Variabilität. Zum Repertoire gehören daher nicht nur Werke des Barocks, der Klassik und Romantik, sondern selbstverständlich auch Stücke zeitgenössischer Komponisten und dogmas eigene Kompositionen. dogma sucht den direkten Kontakt mit dem Auditorium. Mikhail Gurewitsch moderiert die Auftritte selbst, wodurch er die Distanz zwischen Bühne und Publikum überbrückt und die Konzertbesucher dazu ermuntert, nicht nur von außen zu »beobachten« und zu »konsumieren«, sondern das Konzertgeschehen als einen Dialog zu begreifen – für den sich die Musiker auch anschließend gerne
noch Zeit nehmen.


In den Jahren seines Bestehens erspielte sich das Orchester weltweit eine kontinuierlich wachsende Fangemeinde und entwickelte sich zu einem der bekanntesten jungen europäischen Kammermusik-Ensembles. Für seine letzte CD »The Shostakovich Album« erhielt das dogma chamber orchestra bereits zum zweiten Mal den renommierten ECHO Klassik Preis.

Matthias Kirschnereit (Klavier)

Matthias Kirschnereit (Klavier)

 

„Er ist ein Ausdrucksmusiker par excellence, der mit seinem Klavierspiel die spezifisch deutsche Klavierkunst fortsetzt.“ FAZ

 

Matthias Kirschnereit zählt heute zu den spannendsten und erfolgreichsten deutschen Pianisten seiner Generation. Der ECHO Klassik-Preisträger gibt jährlich etwa 50 Konzerte und wird von der Süddeutschen Zeitung als „Poet am Klavier“ gefeiert. Dabei folgt er seinem künstlerischen Ideal, den musikalischen Empfindungsreichtum, den erzählerischen Ausdruck und damit überhaupt die menschlichen Züge in der Musik aufzuspüren und zu vermitteln. Er sieht sich damit in der deutschen Klaviertradition, die von Renate Kretschmar-Fischer über Conrad Hansen, Edwin Fischer und Martin Krause bis zu Franz Liszt zurückreicht.

 

Matthias Kirschnereit konzertierte mit führenden Klangkörpern wie dem Tonhalle Orchester Zürich, Het Residentie Orkest Den Haag, St. Petersburger Philharmoniker, dem SWR Sinfonieorchester Stuttgart, dem Konzerthausorchester Berlin, den Bamberger Symphonikern, Camerata Salzburg sowie dem Münchner Kammerorchester und arbeitete mit Dirigenten wie Hartmut Haenchen, Bruno Weil, Christopher Hogwood, Carl St. Clair, Sándor Végh, Michael Sanderling, Frank Beermann, Alexander Liebreich, Yuri Temirkanov und Alondra de la Parra.

 

Seine Konzerte sind in den bedeutendsten Sälen und Musikzentren der Welt zu erleben, so u. a. im Konzerthaus und in der Philharmonie Berlin, Herkulessaal München, Festspielhaus Baden-Baden, Théâtre des Champs Elysées Paris, Tonhalle Zürich, Sala Verdi Milano, Rudolfinum Prag sowie Teatro Municipal Santiago de Chile, Suntory Hall Tokio und Shanghai Oriental Art Center. Ebenso wichtig sind ihm aber auch kammermusikalische Momente in intimen Recitals, in denen er das Publikum mit seinen feinsinnig-intensiven Interpretationen zu fesseln versteht.

 

Seine besondere Liebe gilt der Kammermusik. Unter seinen usikalischen Partnern finden sich Namen wie Christian Tetzlaff, Sharon Kam, Alban Gerhardt, Daniel Müller-Schott, Felix Klieser, Carolin Widmann, Ingolf Turban, Julian Steckel, Nils Mönkemeyer, Kit Armstrong, das Klenke-, Vogler- und Verdi -Quartett.

 

Seit 2012 ist Matthias Kirschnereit Künstlerischer Leiter der Gezeitenkonzerte Ostfriesland – ein Festival unter Freunden, das von Jahr zu Jahr an Renommee gewinnt.

 

Mittlerweile hat Matthias Kirschnereit über 30 CDs veröffentlicht, darunter Maßstab setzende Gesamteinspielungen der Klavierkonzerte Mozarts und Mendelssohns oder Referenzaufnahmen außergewöhnlichen Repertoires wie der Klavierkonzerte Julius Röntgens und der Orgelkonzerte Händels in einer eigenen Klavierfassung. „Kirschnereit deserves all  the praises coming to him these days!“ lobte das Londoner Gramophone Magazine seine international gefeierten Solo-CDs mit Klavierwerken Robert Schumanns („Scenen“, 2010) und Franz Schuberts („Wanderer Fantasie“, 2012). Ebenso euphorisch begrüßte das Fono-Forum die jüngst erschienene Einspielung der „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn Bartholdy und seiner Schwester Fanny Hensel als „konkurrenzlos“. Diese CD bietet die erstmalige Gegenüberstellung sämtlicher „Lieder ohne Worte“ der beiden Geschwister in einer Gesamtschau.

 

Verschiedene Wettbewerbserfolge (Deutscher Musikwettbewerb, Concours Geza Anda Zürich, sowie die Klavierwettbewerbe in Sydney und Pretoria) eröffneten ihm Anfang der 1990er Jahre seine internationale Konzertkarriere. Bis dahin war sein Werdegang eher ungewöhnlich: Geboren in Westfalen, verließ er im Alter von neun Jahren Deutschland, um mit seiner Familie nach Namibia auszuwandern. So sehr ihn die Kultur im südlichen Afrika faszinierte, so bewusst wurde ihm bald, dass er seinen Traum, Pianist zu werden, nur in Deutschland würde in die Tat umsetzen können. So kehrte er als 14-Jähriger allein nach Deutschland zurück und wurde Jungstudent bei Prof. Renate Kretschmar-Fischer an der Musikhochschule in Detmold. Zusätzliche künstlerische Impulse erhielt er durch die intensive Zusammenarbeit mit Murray Perahia, Claudio Arrau, Bruno Leonardo Gelber und Oleg Maisenberg.

 

Die in seiner internationalen Konzerttätigkeit gewonnene Erfahrung und seine künstlerischen Ideale gibt er als Professor an der Hochschule für Musik und Theater Rostock an kommende Generationen weiter. In seiner Freizeit interessiert er sich für Malerei, Fußball und Italienische Küche; er lebt heute mit seiner Familie in Hamburg.