Opernaufführung "Erwin und Elmire"

Freitag, 14. September 2018, 19.30 Uhr

Im Rahmen der Goethe-Festwoche 2018

Oper von Johann André (1741 – 1799)

Buch und Libretto von Johann Wolfgang von Goethe

 

Solisten:

Sabine Goetz (Sopran)

Ljuba Nitz (Sopran)
Christian Rathgeber (Tenor)

Markus Matheis (Bariton)

Michael Kaiser (Erzähler)

 

Orchester:

Originalklangensemble „concerto piccolo“, Leitung: Olaf Joksch

Im Herbst 1773 lernte der junge Goethe den Seidenfabrikanten, leidenschaftlichen Musiker und späteren Verlagsgründer Johann André in Offenbach kennen.

 

„Offenbach am Main zeigte schon damals bedeutende Anfänge einer Stadt, die sich in der Folge zu bilden versprach. Schöne, für die damalige Zeit prächtige Gebäude hatten sich schon hervorgetan. (…)

 

Ich wohnte bei Johann André. (…) Er war ein Mann von angebornem lebhaften Talente, eigentlich als Techniker und Fabrikant in Offenbach ansässig; er schwebte zwischen dem Kapellmeister und Dilettanten. In Hoffnung, jenes Verdienst zu erreichen, bemühte er sich ernstlich, in der Musik gründlichen Fuß zu fassen.“ („Dichtung und Wahrheit“ - siebzehntes Kapitel)

 

Ein Produkt dieser Freundschaft zwischen Goethe und André ist das „Schauspiel mit Gesang - Erwin und Elmire“, das zum ersten Mal am 13. September 1775 in Frankfurt und später auch noch erfolgreich in Berlin aufgeführt wurde.

 

Goethes Libretto über die Gefühlswirren zweier verliebter junger Leute - bei dem sicher auch Goethes unglückliche Beziehung zu Lili Schönemann in Offenbach maßgeblichen Anteil hatte - wurde mehrmals vertont: so von Johann Friedrich Reichardt, der Herzogin Anna Amalia in Weimar und in neuerer Zeit von Othmar Schoeck. Wolfgang Amadeus Mozart entnahm aus Goethes Text nur das „Veilchen“, schrieb aber damit sein bis heute wohl populärstes Lied.

 

Johann Andrés Erstfassung von „Erwin und Elmire“ verschwand in den Archiven des Musikverlages André in Offenbach und dem Goethehaus Frankfurt.

 

Nach über zweihundert Jahren wurde das Stück 1999 zu Goethes Geburtstag in Offenbach endlich wieder aufgeführt. Olaf Joksch hatte es nach dem gedruckten Klavierauszug von 1776 und der temperamentvollen, schwer lesbare Handschrift der Partitur neu eingerichtet. In dieser konzertanten und kurzweiligen Fassung, die mit dem Orchester ‚concerto piccolo’ auf Original-Instrumenten erklingt,  führt Schauspieler Michael Kaiser durch die Höhen und Tiefen der gefühlsgeladenen Handlung.

Handlung:

Elmire ist unglücklich. Ihre Mutter Olimpia möchte sie mit ihrem Gesang aufheitern und den Grund für ihre Trauer erfahren. Zunächst weicht Elmire aus: „Ich habe immer mehr für mich gelebt als für andere.“ Olimpia weiß, dass Erwin der Richtige für ihre Tochter ist. Nun kann Elmire die Wahrheit nicht mehr länger zurückhalten. Ihr Stolz war der Grund für Erwins Verschwinden. Elmire sorgt sich um ihn, da sie das Schlimmste befürchtet.

 

Olimpia will ihre unglückliche Tochter wieder mit Erwin zusammenbringen. Unterstützung bekommt sie von Elmires gutem Vertrauten Bernardo. Und dieser hat einen Plan. Elmire gibt sich selbst erneut die Schuld an Erwins Abwesenheit. „Ich habe ihn gepeinigt, ich hab ihn unglücklich gemacht... ich hatte sein Herz mit Füßen getreten.“ Doch Bernardo weiß, dass Elmire im Grunde gut ist. Er empfiehlt ihr einen Beichtvater, der im Wald als Einsiedler lebt. In ihrer Not geht sie auf den Vorschlag ein.

 

Szenenwechsel. Der Einsiedler, von dem Bernardo gesprochen hat, ist Erwin. Er vermisst Elmire und kann nur an sie denken. Bernardo kommt und testet ihn. Er rät Erwin zu einer anderen Frau. Doch davon will dieser nichts wissen. Bernardo ruft: „Erwin! – Sie liebt dich.“ Bernardo überredet Erwin, sich als Beichtvater zu verkleiden.

Als Elmire ankommt, beichtet sie ihm ihre Sünden und ihr Mitleid. Erwin erkennt ihre Liebe zu ihm und schickt sie fort. Ohne Verkleidung holt er sie kurz darauf wieder ein. Am Ende verspricht Elmire Erwin: „All mein künftig Leben Liebster! weih ich dir.“

Kurzbiografien der Künstler

Sabine Goetz (Sopran)

Die Sopranistin Sabine Goetz ist Preisträgerin des Internationalen Wettbewerb Musica Sacra in Rom, des Internationalen Wettbewerb für Barockgesang in Chimay/Belgien, des Alte Musik Treff Berlin und des Joseph-Suder-Lied-wettbewerbs. Sie wurde als Opernsängerin ins Ensemble des Theater Aachen engagiert und gastierte u. a. am Nationaltheater Mannheim, am Staatstheater Braunschweig und an der Kammeroper Schloss Rheinsberg. Konzerteinladungen führten sie in die Alte Oper Frankfurt, in die Kölner Philharmonie, in die Laeiszhalle Hamburg, zu den Händel-Festspielen in Halle, zu den Mahler-Festwochen in Toblach, nach Paris, Italien, Portugal, Polen und Kolumbien.

Ljuba Nitz (Sopran)

Ljuba Nitz stand bereits mit 11 Jahren als Solistin des Opernstudios und der staatlichen Philharmonie in ihrer russischen Heimat auf der Bühne, wo sie auch als talentierte Nachwuchssängerin gefördert wurde. Daneben studierte sie in Jekaterinburg Germanistik, Philologie und Klavier und schloss ihre Studien dort mit Auszeichnung ab. Nach ihrem Debüt 2011 an der Helikon Oper Moskau folgten zahlreiche Engagements als Opern- und Konzertsängerin in Russland und auch in Deutschland, wo sie mittlerweile lebt und arbeitet.

Christian Rathgeber (Tenor)

Konzerte führten Christian Rathgeber u. a. als Evangelist nach Israel in J. S. Bachs Johannes-Passion, nach Südafrika mit Bachs h-Moll Messe, mit Bachkantaten nach Paris (Théâtre des Champs Elysées), in die Schweiz und nach Russland mit Bachs Weihnachtsoratorium. Auf der Opernbühne war er in zahlreichen Produktionen der Staatstheater Mainz und Wiesbaden und im Landestheater Rudolstadt zu sehen. Eine intensive Arbeit in Ensembles wie dem Collegium Vocale Gent, Balthasar-Neumann-Chor, Rundfunkchor Berlin und dem Kammerchor Stuttgart runden sein musikalisches Schaffen ab.

Markus Matheis (Bariton)

Markus Matheis stammt aus Frankfurt am Main, wo er seiner sängerischen Ausbildung bei Carol Bruetting nachging. Regelmäßig konzertiert er in den Oratorien des Barock und der Romantik wie auch mit zeitgenössischer Kirchenmusik. Die besondere Herausforderung führt den Sänger immer wieder zum Lied: Bei Irwin Gage und Dalton Baldwin konnte er seine Studien in diesem Bereich vertiefen, und sowohl als Preisträger und Finalist internationaler Wettbewerbe wie auch in der regen Konzerttätigkeit findet die intensive Auseinandersetzung mit dieser Kunstform immer wieder Ausdruck und Anerkennung.

Michael Kaiser (Erzähler)

Michael Kaiser absolvierte seine Schauspielausbildung am Hamburgischen Schauspielstudio. Verschiedene Engagements führten ihn an zahlreiche Theater, u. a. an das Deutsche Schauspielhaus Hamburg, das Badische Staatstheater Karlsruhe, das E.T.A. Hoffmann-Theater  Bamberg sowie an die Kleine Komödie Hamburg. Michael Kaiser zählte zu den Ensemblemitgliedern des Frankfurter Theaters „Die Traumtänzer“, er war Intendant der Komödie Kassel, sowie Vorstand und Organisator des jährlichen Brüder-Grimm-Festivals Kassel. Neben Lesungen, Rezitationen und als Sprecher hat Kaiser in vielen Hörspiel-, Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt: z. B. „Tatort“, „Die Kommissarin“, „Ein Fall für Zwei“ u.v.a.

Olaf Joksch (Leitung)

Der Pianist und Organist Olaf Joksch erhielt 1982 die Ehrenmedaille der Philharmonie Lublin für herausragende künstlerische Leistungen. Seitdem folgte eine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland. Etliche Einspielungen, Musiktheaterprojekte u. a. mit der Amerikanerin Amy Leverenz und "Grupo Accion Instrumental Buenos Aires" sowie zahlreiche musikwissenschaftliche Veröffentlichungen dokumentieren seine musikalische Vielseitigkeit. 2002 erhielt er einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik Mainz. 2003 bis 2014 war er Solorepetitor am Staatstheater Mainz.