Konzertante Aufführung der Oper "Die Herzogin von Guise" in der Erlöserkirche Bad Homburg - deutsche Erstaufführung

Sonntag, 15. Oktober 2017, 18 Uhr

 

Erlöserkirche Bad Homburg
Dorotheenstraße 1
61348 Bad Homburg

 

 

 

 

 

 

 

Solisten:
Chrissa Maliamani - Die Herzogin (Sopran)
Laura Rieger - Arturo (Contralto)
Nenad Čiča - Der Herzog (Tenor)
Vassilis Kavayas - Graf von San Megrino (Tenor)

Vokalensemble der Virtuosi ambulanti

Orchester:
Camerata Mainzer Virtuosi

I Virtuosi ambulanti - Produktionsteam:
Musikalische Leitung: Mark Pogolski
Leitung Vokalensemble: Michael Konstantin

Künstlerische Gesamtleitung: Nicolas Trees
Bühne: Nicola Delli Carri
Kostüme: Gera Graf
Lichtgestaltung: Stefan Staub
Dramaturgie und Produktionsleitung: Stefanie Hiltl
Musikwissenschaftliche Mitarbeit: Gustavo Sánchez
Maestra di canto: Susan Mclean

Eine Wiederentdeckung – nach über 180 Jahren weltweit zum ersten Mal wieder in ihrer originalen Fassung: ein Füllhorn musikalischer Juwelen und ein einzigartiges Belcanto-Fest, nicht nur für Kenner!

 

Die Oper ist von flammender Aktualität: ein Aufschrei gegen die Verrohung des zwischenmenschlichen Umgangs in einem Alltag fortschreitender politischer und religiöser Radikalisierung.

 

Paris, sechs Jahre nach dem Massaker der Bartholomäusnacht...:

Der französische König setzt auf Versöhnung zwischen Katholiken und protestantischen Hugenotten. Der Herzog von Guise, ein katholischer Fanatiker bekämpft jedoch die liberale Politik mit sämtlichen Mitteln und schafft alle aus dem Weg, die seiner Ideologie im Wege stehen. Dafür instrumentalisiert er sogar die eigene Frau – mit fatalen Folgen...

In einem religiös und machtpolitisch total verkommenen Umfeld greifen die blutigen Mechanismen von Fanatismus, Hass und Repression erneut und erbarmungslos ineinander. Ein alptraumhafter Krimi gipfelt in einem historisch verbürgten Mord, der bis zum heutigen Tag nicht aufgeklärt ist….

Mit ein Grund, warum Hessen im 16. und 17. Jahrhundert zum hoffnungsvollen Fluchtpunkt und Transitraum hugenottischer Flüchtlinge wird und warum 1597 protestantische Migranten die Hanauer Neustadt und 1699 Neu-Isenburg gründen, und sich außerdem ab 1685 auch in Bad Homburg niederlassen.

 

Dominiert wird das Geschehen von einer der großen Frauengestalten der französischen Renaissance, der deutschstämmmigen Katharina von Kleve, Herzogin von Guise: Sie spielt im Zusammenhang mit den Hugenottenkriegen eine entscheidende politische Rolle.

 

Mit dem Scharfblick seiner Zeit gestaltet Alexandre Dumas aus den Ereignissen um den Mord am Grafen von San Megrino ein faszinierendes Historienbild von schonungsloser Aktualität. Felice Romani macht daraus einen Psycho-Krimi und Carlo Coccia krönt ihn mit einer hochemotionellen Musik, die hart am Puls der Gegenwart schlägt.

Inhalt:

Paris im Jahr 1578, am Hof König Heinrichs III., zwischen dem sechsten und siebten Hugenottenkrieg, nach dem Frieden von Bergerac und dem Erlass von Poitiers (1577).

 

Gegenstand der Handlung ist der historische, bis heute nicht aufgeklärte Mord an Paul de Stuert, dem Grafen von Saint-Mégrin im Jahr 1578:

Der König verfolgt den Hugenotten gegenüber eine moderate Appeasement-Politik: Nach seinem Willen soll die frisch gebildete, radikal katholische Heilige Liga wieder aufgelöst werden. Deren Gründer und Anführer, Heinrich, Herzog von Guise, ein katholischer Fanatiker (sein Vater ist von einem Hugenotten umgebracht worden) und einer der Drahtzieher der Bartholomäusnacht, ist alarmiert – er unternimmt alles, um das drohende Ende der Liga zu verhindern:

Saint-Mégrin, ein Günstling des Königs, hegt eine schwärmerische Zuneigung zu Heinrichs Frau Katharina, der Herzogin von Guise. Gleichzeitig ist er ein überzeugter Verfechter der königlichen Appeasement-Politik und damit ein Erzfeind des Herzogs. Während eines Festes im Louvre findet dieser, nach einer Auseinandersetzung mit Saint-Mégrin, zufälligerweise ein Taschentuch mit den Initialen von Katharina, seiner Frau. Die Rachsucht des Herzogs ist geweckt: Er sieht eine Möglichkeit, seinen politischen Rivalen aus dem Weg zu schaffen.

 

Im religiös und machtpolitisch vollkommen enthemmten Umfeld greifen die blutigen Mechanismen von Fanatismus, Hass und Repression erneut und erbarmungslos ineinander.

Die Kernaussage des Werks wird mit einer einzigen Äusserung auf den Punkt gebracht: Auf die Frage ihres fanatisierten Ehemanns: „Für wen betest Du?“ antwortet die verzweifelte Katharina: „Für alle, für alle!“

 

„Die Herzogin von Guise“ demonstriert exemplarisch und zeitlos die Verrohung des zwischenmenschlichen Umgangs im Zuge einer fortschreitenden politischen und religiösen Radikalisierung.

 

Historischer Kontext:

Die zentrale Figur in der Oper ist Katharina von Kleve (1548-1633).

 

Sie entstammt dem deutschen Adelsgeschlecht Von der Mark-Kleve und wird mit 12 Jahren mit dem Calvinisten Antoine de Croy verheiratet. Die Ehe bleibt kinderlos und ihr Mann stirbt jung. Für ihre zweite Ehe mit Heinrich von Lothringen, dem Herzog von Guise, tritt sie zum Katholizismus über. 1588 lässt König Heinrich III. den Herzog umbringen, worauf sie sich vehement für die wiederbelebte Katholische Liga einsetzt. Nachdem der König seinerseits ermordet worden ist, sorgt sie dafür, dass sich der katholische französische Adel nicht gegen den Nachfolger und ehemaligen Protestanten König Heinrich IV. erhebt.

 

Das Werk ist eine Parabel über die fatalen Konsequenzen von Intoleranz und religiösem Fanatismus und eignet sich perfekt für Gedenkveranstaltungen und Jubiläen zum Thema „Hugenotten“.

Hinsichtlich des historischen Kontextes ist das Produktionskonzept auf maximale Authentizität ausgelegt: Im Hinblick auf die seit 1597 andauernde hugenottische Tradition Hanaus, die 2017 ihren 420-jährigen Geburtstag feiert, hat das Werk eine exemplarische Relevanz für die Geschichte der Stadt Hanau.

 

Dominiert wird die Oper vom zeitlosen Thema religiöser und politischer Konflikte, hier in Form der französischen Hugenottenkriege.

1567 erreichen protestantischen Flüchtlinge aus Frankreich deutschen und hessischen Boden, im Zuge und als Konsequenz genau jener Hugenottenkriege, welche das Geschehen der Oper prägen. Sie befinden sich auf der Durchreise,  –  im „Transit“, auf einer Flucht ohne Ziel.

 

Die (authentische) Handlung der „Herzogin von Guise“ und die ersten hugenottischen Flüchtlingswellen nach Hessen und Deutschland werden somit durch identische historische  Ereignisse bedingt.

 

An diesem Punkt reicht Coccias Oper dem Themenkomplex Transit die Hand: Die protestantischen Flüchtlinge definieren im 16. Jahrhundert das geografische Gebiet des heutigen Bundeslandes Hessen nachhaltig als Transitraum und begründen dessen Tradition als Migrations- und Zuwanderungsgebiet, auch für politisch und religiös Verfolgte (gegen 1570 – kurz bevor sich die Handlung des Werkes ereignet – zählen die evangelisch reformierten „Fremdengemeinden“ in Frankfurt am Main schätzungsweise an die 2000 Mitglieder) – eine Tradition, die sich bis in die neueste Zeit ungebrochen fortsetzt. Coccias Oper schlägt am Puls der unmittelbaren Gegenwart.

 

Oper in zwei Akten von Carlo Coccia (1782-1873), Libretto von Felice Romani, nach dem Drama "Heinrich III. und sein Hof" von Alexandre Dumas.

Deutsche Erstaufführung.

In italienischer Sprache.

Uraufführung 1833, Teatro alla Scala, Mailand

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Konzept und Produktion: I Virtuosi Ambulanti e. V., München.

In Zusammenarbeit mit: Mainzer Virtuosi, Casalmaggiore International Music Festival.

Idee und Projektmanagement: Bad Homburger Schlosskonzerte Karl-Werner Joerg.